Viele offene Fragen zu neuen Züchtungsverfahren

Die neuen Züchtungsverfahren sind keine Unbekannten für schweizerische Unternehmen und Organisationen. Dies zeigt die schriftliche Umfrage vom «Verein Qualitätsstrategie der Land- und Ernährungswirtschaft» von vergangenem Sommer, an welcher die Hälfte der Mitglieder teilgenommen hat. Die allermeisten Teilnehmenden wurden mit der Thematik bisher lediglich im Bereich der Kommunikation und Medienarbeit konfrontiert. Die vielen ungeklärten Fragen in Bezug auf neue Züchtungsverfahren werden als potentieller Unsicherheitsfaktor gesehen. Der Tenor der Antwortenden lautet, dass Bund, Parlament, die Branchen und Verbände in Anlehnung an das EU-Vorgehen gemeinsame Schritte unternehmen sollen, um die offenen Fragen zu bereinigen. Eine rechtliche Klärung bezüglich der Einordnung der neuen Verfahren auf Bundesebene wird als dringend erachtet.

Der «Verein Qualitätsstrategie der Land- und Ernährungswirtschaft» befragte im Zeitraum Juli und August 2018 Akteure der gesamten Wertschöpfungskette zum Thema «neue Züchtungsverfahren». Dabei konnte das Ziel der Umfrage erfüllt werden, denn es stellte sich heraus, welches die Bedürfnisse und Unsicherheiten im Zusammenhang mit den neuen Züchtungsverfahren sind und welche konkreten Handlungselemente erarbeitet werden müssen.

Von den rund 140 Angeschriebenen haben knapp die Hälfte der Mitglieder des Vereins und einige Charta-Unterzeichnende an der Umfrage teilgenommen, insgesamt gingen 24 Antworten ein: Davon waren rund die Hälfte Antworten aus Produzentenorganisationen, rückgemeldet haben auch Händler und Konsumentenvertreter sowie wenige Verarbeiter. Bei den Antworten waren Mehrfachnennungen möglich (Auswertung).

Die Umfrage zeigt, dass die Thematik rund um die neuen Züchtungsverfahren im Alltag der Unternehmen/Organisationen angekommen ist, bisher hauptsächlich auf Informationsbasis: Drei Viertel der Teilnehmenden haben sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt, insbesondere im Rahmen der eigenen Kommunikation oder Medienarbeit. Einige wurden mit dem Thema auch konfrontiert in Bezug auf Herstellungs- und Züchtungsverfahren, der Bioproduktion sowie der Möglichkeit, zukünftig mit resistenten Sorten Pflanzenschutzmittel zu reduzieren.

Die grössten Probleme und Unsicherheiten bestehen für die meisten Unternehmen bei den Risiken, den Kontrollen, dem Nachweis und der Haftung.
Unklar ist für die Hälfte der Antwortenden die allgemein rechtliche Zuteilung bei Züchtungsverfahren. Dass sich die Wissenschaft über die Züchtungsverfahren uneinig ist, Patentfragen offen sind und zudem nicht klar ist, wie die gesellschaftliche Akzeptanz und die Transparenz gewährleistet werden soll, sorgt bei den Unternehmen für Unsicherheit.

Um diese offenen Fragen und Probleme im Umgang mit den Züchtungsverfahren anzugehen, begrüssen die Befragten eine rasche gesetzliche Klärung unter Beachtung der Situation der EU. In der Ausgestaltung der CH-Gesetzgebung wird ein differenziertes Zulassungsverfahren für Sorten mit unterschiedlichem Züchtungseingriff gefordert. Zudem braucht es einen regelmässigen Informationsaustausch sowie klare Deklaration und Transparenz für die Konsumentinnen und Konsumenten, aber auch für die Produzenten, damit eine Wahlfreiheit bei der Warenherstellung wie auch beim Einkauf besteht.

Ein Viertel der Unternehmen sprechen sich dafür aus, neue Züchtungsverfahren zuzulassen oder erwägen eine Einzelfallbeurteilung. Eine grosse Mehrheit fordert, dass der Bund und das Parlament in Anlehnung an die EU die weiteren Schritte beschliesst. Von einem Alleingang der Schweiz bei der Entscheidung, wie die neuen Züchtungsverfahren zuzuordnen sind, wird grösstenteils abgeraten, auch im Hinblick auf eine eurokompatible Lösung und den internationalen Handel.

Die Umfrage zeigt deutlich, dass die oberste Priorität die rechtliche Klärung hat - am besten auf Bundesebene - , um zukünftigen Problemen im Alltagsgeschäft (Handel, Importe, Exporte) entgegenzuwirken und um eine Lösung in Anlehnung mit der Situation in der EU im Umgang mit Züchtungsverfahren erarbeiten zu können. Damit könne die Unsicherheit der einzelnen Unternehmen/Organisationen verringert werden.